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Essbare Wildpflanzen für hungrige Stadtmenschen

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Mit dem Frühlingskochbuch der Saison sollte jeder Zürcher mal losziehen und nach essbaren Wildpflanzen Ausschau halten. Maurice Maggi hilft bei der Suche und der anschliessenden Zubereitung.

Bärlauch kennt fast jeder. Brennnesseln auch. Vielleicht noch Löwenzahn. Aber dann ist es mit dem Wissen um essbare Wildpflanzen schon fast wieder vorbei. Ob man Spitz- und Breitwegerich verzehren kann (und in welcher Form), ob die Blüten von Malven kulinarischen Sinn machen und wie man Sanddorn und Bucheckern verarbeiten sollte, um ihre Aromen aufzuschliessen, wird kaum in der Schule gelehrt. (Warum eigentlich nicht?)

Foto: AT-Verlag

Foto: AT-Verlag

Aber zum Glück gibt es ja Verlage, welche die passende Literatur herausgeben – und Autoren, die sich ziemlich gut auskennen mit dem wilden Essen.

 

 

 

 

 

 

Wie der gelernte Landschaftsgärtner und langjährige Koch Maurice Maggi, der weit herumgekommen ist und in Zürich gern Essbares einsammelt. Wenn er damit nicht ausgelastet ist, sorgt er auch dafür, dass Essbares entsteht – er säht nämlich wild. Die vielen Malven, die im Zürcher Stadtbild herumwachsen, sind zu einem wesentlichen Teil seiner Initiative zu verdanken. Und um die Frage schon mal zu beantworten: Ja, man kann Malvenblüten und auch andere Teile dieser Pflanze essen.

Was man noch so zu sich nehmen kann, verrät das gerade erschienene Kochbuch Essbare Stadt. Ein klug gestaltetes Buch, das  gleich noch auf den Buchrücken verzichtet und die Bindung freilegt – für Bibliophile und Bibliothekare, wie den Autor dieses Blogs, ein gefundenes Fressen.

Noch mehr zum Fressen, Verzeihung, zum Geniessen laden die Rezepte und die dazu passenden Pflanzenerläuterungen ein. Weißdorn und Wegwarte, Schlehdorn und Heckenrose können ebenso verzehrt werden wie Giersch und Berberitze.

Ein bisschen mehr Details zu den Pflanzen, ein wenig zusätzliche Systematik hätte ich mir allerdings schon gewünscht. Die Zeichnungen von Wilder Möhre und Schlafmohn sind nicht allzu aussagekräftig, wenn man die Sorten bestimmen will, und die Fotos sind wild übers Buch verstreut; gar nicht so einfach, die richtige Zuordnung zu erhalten.

Die vielen Rezepte wirken dagegen spannend und bestehen keineswegs ausschließlich aus Wildpflanzen. Man muss schon losziehen und auf konventionelle Weise Nüsslisalat besorgen, Eier und Käse, Essig und Vanilleschoten.  Aber immer werden wilde Zutaten zugefügt: japanischer Knöterich den Brennnesselkugeln, Giersch den Veilchenblüten-Ofenküchlein, junge Lindenblüten (als Schaum!) dem verlorenen Ei mit Lorbeerkartoffeln. Da und dort gehen dem Autor ein wenig die Pferde durch, werden schon mehr Würz-Ingredienzien verwendet, als mir sinnvoll erscheint. Aber ein sehr schönes, sehr empfehlenswertes Buch bleibt es allemal!

Maurice Maggi:
Essbare Stadt – Wildwuchs auf dem Teller.
AT-Verlag, CHF 52.90


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